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INFO: Umrüstung eines Verbrenners zum Elektroauto – Wie funktioniert’s?

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Elektro-Ente als Pick-up – gesehen auf der eRUDA am Ammersee.  Foto: Alex Kilbertus – ZOE-Club Austria

Es gibt zwar immer mehr Elektroautos am Markt, aber einen VW Käfer mit Elektroantrieb oder einen elektrischen Porsche 911 wird man noch lange vergebens suchen. Deswegen entscheiden sich immer häufiger Individualisten für die Umrüstung eines konventionellen Verbrenner-Fahrzeugs zum sauberen E-Auto. 

Do-it-yourself oder “Umrüster” beauftragen?

Es gibt spezielle Firmen und einige Werkstätten, die sich auf die Umrüstung eines Serienfahrzeugs zum Elektroauto spezialisiert haben. Immer öfters legen aber auch Mechaniker, geschickte Hobbybastler, Maschinenbau-Studenten oder Elektrotechniker selbst Hand an und konvertieren einen gebrauchten Verbrenner zum leisen Stromer. Wer nicht alle für den Umbau benötigten Komponenten einzeln zusammensuchen möchte, gibt es für bestimmte Fahrzeuge sogenannte Umrüstkits, wo die wichtigsten Teile aufeinander abgestimmt in einem Set zu erwerben sind.

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Elektromotoren gibt es in zahlreichen Größen und Leistungskategorien. Bei Elektroautos hat sich der Wechselstrom-Motor eindeutig durchgesetzt. Foto: Elektroautor.com | Volker Adamietz

Wer privat oder in Eigenregie einen Umbau wagen möchte, der sollte …

  1. im Internet ausgiebig recherchieren, Erfahrungsberichte u. Anleitungen lesen
  2. mit Experten sprechen, hier helfen auch Vereine wie der EMC-Austria gerne weiter
  3. bedenken, dass es ein teures Hobby ist und vor allem Akkus (noch) teuer sind
  4. von Elektrotechnik einiges verstehen (HTL-Abschluss, Lehre, Studium)
  5. sich bewusst sein, dass es sich vor allem bei PkW-Akkus um Hochvolt-Technik (400 V u. mehr) handelt und bei falschen Umgang sogar lebensgefährlich werden kann!
  6. das Fahrzeug eine Einzelzulassung benötigt, welche mit hohen Kosten (mehrere Tausend Euro) verbunden ist

Was für ein Elektrofahrzeug will ich überhaupt?

Das Wichtigste ist aber auch, sich genau zu überlegen, was für ein Fahrzeug man eigentlich umbauen will. Der Umbau lohnt sich nämlich nicht für alle Fahrzeuge, da der Arbeitsaufwand und die Umbaukosten nicht zu unterschätzen sind. Außerdem macht es z.B. wenig Sinn einen VW Golf oder Mercedes B-Klasse umzubauen, den es bereits als Serienmodell neu oder gebraucht zu kaufen gibt. Einen Oldtimer, ein besonders seltenes Auto, ein Motorrad oder Quad-Bike ergeben da mehr Sinn, denn einen elektrischen Trabi, einen Porsche 911 mit E-Antrieb oder eine elektrisch angetriebene Vespa gibt es eben nirgends zu kaufen.

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Elektro-Käfer von Reevolt – Akkus vorne – E-Motor hinten. Foto: Alex Kilbertus – ZOE-Club Austria

Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass unbedingt auf das Fahrzeuggewicht geachtet werden muss sowie auf ein ausreichendes Platzangebot für den Einbau des Akkus und den dazu gehörigen Komponenten. Hier gilt also das umzurüstende gebrauchte Auto gut auszuwählen – vor allem sollte es aber auch von der Karosserie, Radaufhängung und Fahrzeugrahmen in einem guten Zustand (wenig Rost) sein, da der aufwendige Umbau schließlich auch lange halten sollte.

Auf das zulässige Gesamtgewicht achten!

Vor dem Umbau muss auf alle Fälle überprüft werden, wie weit das zulässige Gesamtgewicht unter Umständen überschritten wird. Werden beispielsweise für eine gute Reichweite zu viele Akkus verbaut, ist schnell das zulässige Gesamtgewicht erreicht und das Fahrzeug erhält keine Zulassung für die Umrüstung.

Durch den Wegfall verschiedener Baugruppen (Otto- oder Dieselmotor, Getriebe, Auspuff, Öl- u. Luftfilter, Kardanwelle, Tank, uvm.) für den Verbrennungsantrieb wird zwar Gewicht eingespart, dem steht allerdings auch eine geringere Energiedichte der Akkumulatoren gegenüber, die zudem auch ein relativ hohes Gewicht haben. Deswegen sind Elektrofahrzeuge in der Regel sogar schwerer als ein entsprechendes Auto mit klassischem Verbrennungsmotor. Die Kapazität der Batterien ist ein wichtiger Faktor, nicht nur für das Fahrzeuggewicht, sondern auch für den Preis.

Große Akkus oder kleine Akkus? Das ist hier die Frage.

Elektrofahrzeuge haben in der Regel mit einer Akkuladung noch eine relativ geringe Reichweite (durchschnittlich 150 km in der Praxis bei ca. 22 kWh), auch wenn es bereits Serienfahrzeuge mit einer Reichweite von 500 Kilometern und mehr gibt (vgl. Tesla Model S mit 90 kWh). Ein weiterer Unterschied zwischen einem kraftstoffbetriebenen und einem elektrischen Fahrzeug ist die Zeit zum Laden bzw. Tanken des Energiespeichers. Innerhalb von 30 Minuten kann ein 80-prozentiger Akkuladestand an einer leistungsstarken Gleichstrom-Ladestation erreicht werden.

Hier gilt es den optimalen Kompromiss zu finden zwischen hoher Reichweite und langen Ladezeiten oder kurze Ladezeiten mit jedoch geringer Reichweite. In diese Entscheidung sollte man vor allem den geplanten Verwendungszweck des E-Autos einbeziehen (Kurzstrecken, zu Freizeitzwecken, Pendler) und das Budget, was man für Akkus ausgeben möchte.

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Auch schon ein Oldtimer – ein alter Fiat 500 – umgerüstet auf modernen Elektroantrieb. Foto: Alex Kilbertus – ZOE-Club Austria

Welche Komponenten werden für einen Umbau benötigt?

  • Elektromotor für Wechselstrom
  • Motoradapter für das Getriebe
  • Akkus (LiFePo4 oder Li-Ion) mit Boxen und Halterungen
  • Zellenverbinder
  • Steuerung sowie Strompedal für Steuerung
  • spezielle Kabel mit großem Querschnitt
  • Steuerschütze
  • Pumpe für Servolenkung
  • Vakuumpumpe für Bremskraftverstärker
  • Batteriemanagementsystem (BMS)
  • On-Board-Ladegerät
  • DC/DC-Wandler für 12 Volt-Zusatzbatterie
  • DC/AC-Wandler für die Traktionsbatterie
  • Anzeigen für die Akku-Überwachung
  • diverses Montagematerial

Bürokram und Behördengang nach dem Umbau…

Nach erfolgtem Umbau sind eine elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung (in Oberösterreich z.B. nicht notwendig), ein TÜV-Gutachten (in Österreich Gutachten vom Zivilingenieur oder TÜV Austria) und die Zulassung bzw. Einzelgenehmigung (A) erforderlich. Das TÜV-Gutachten kostet in Österreich ca. € 1.000,-, Einzelgenehmigungen bekommt man bei den Zulassungsstellen der Landesregierung ab ca. € 150,-. Bei der EMV, der elektromagnetische Verträglichkeitsprüfung werden teilweise sehr hohe Gebühren fällig – ca. € 5.000,- oder mehr. Hier ist es wichtig vorab Erkundigungen einzuholen, ob diese am Zulassungsort auch bei Auto-Umrüstungen notwendig ist. Weiters sollte einem bewusst sein, dass es auch vom Gutachter und der Zulassungsstelle abhängt, ob der umgebaute Stromer beim ersten Mal genehmigt wird oder mehrmals vorgeführt werden muss.

Die Kosten für den Umbau sind abhängig vom Fahrzeug, der Motorleistung, der Leistung des Ladegeräts der Akkugröße usw. und sind nicht ohne Weiteres bestimmbar. Prinzipiell ist der Umbau für fast jedes Serienauto möglich, allerdings ist der Zeit- und Geldaufwand nicht zu unterschätzen.

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Foto: Alex Kilbertus – ZOE-Club Austria

Oder doch lieber umbauen lassen?

Wer sich im Bereich Elektrotechnik und im Kfz-Bereich nicht so gut auskennt oder sich den Umbau nicht zutraut, sollte letztendlich besser die Finger davon lassen. Oder auf einen von immer mehr werdenden “Umrüstern” zugreifen, die bereits viel Know-How haben und auf optimal untereinander abgestimmte Komponenten achten.

Der Umbau durch eine professionelle Firma wird natürlich nochmals um einiges teurer, aber man erspart sich dabei auch Nerven und grobe Fehler – und bei der Finanzierung sind diese oft sogar behilflich. Bevor ihr aber euch auf Teilzahlungen, Kredit oder Ähnliches einlässt, raten wir allerdings zu einem vorherigen Zinsvergleich mit einem Online-Rechner, wie beispielsweise von smava.

Hier noch ein paar hilfreiche Links zum Thema Elektroauto-Umbau: 

 

14 Kommentare

  1. Ist es nicht ratsamer direkt ein Elektroauto zu Kaufen als einen Wagen um zu rüsten?

    • Hallo Karin,

      wenn es einem darum geht, rein elektrisch von A nach B zu kommen, etwas Gutes für die Umwelt und die nachfolgenden Generationen zu tun und Freude am Elektroauto-fahren hat, ist es sicher das vernünftigste ein neues oder gebrauchtest Elektroauto zu kaufen oder leasen.

      Wenn einer aber ein Auto-Narr ist, die Elektromobilität liebt, aber eben auch seinen alten Porsche 911 oder den renovierten VW Bulli aus den 60-er-Jahren – für den könnte es ein großer Traum sein, diese Fahrzeuge auf E-Antrieb umzubauen. Und – wichtig – man muss ein Bastler u. Tüftler sein u. viel Zeit und Geld investieren. So ein Projekt ist dann auch ein Hobby.

      Manche möchten aber auch nicht mehr darauf warten bis ENDLICH auch einmal ein elektrischer VAN auf den Markt kommt. So z.B. Mario R. von akkumobil – siehe: http://www.akkumobil.at/?page_id=161

      emobile Grüße,
      Volker von Elektroautor.com

      PS: Auch ich träume davon eine alte Vespa auf E-Antrieb umzubauen – werde das aber ohne fremde Hilfe leider nicht angehen können, da ich zu wenig von Elektrotechnik verstehe.

  2. Ich verstehe leider auch zu wenig von Elektrotechnik und müsste den Umbau auch professionell vornehmen lassen. Am liebsten würde ich später einen gebrauchten Firebird auf Elektro umrüsten, erstmal aus Umweltgründen, aber auch wegen der hohen Spritkosten. Ich habe mir mal die Preise bei ecap Mobility angesehen und zur Zeit ist die Umrüstung einfach noch viel zu teuer. Mal sehen, wie es in Zukunft wird, wenn die Akkupreise weniger werden. Ideal wäre es natürlich, wenn die Umrüstung irgendwann aufgrund der hohen Nachfrage im preislichen Rahmen eines LPG-Umbaus liegen würde.

    • Das Preisliche Niveau eines Umbaus Vergleich Gasumbau kann und wird sicherlich nie erreicht werden.
      Beim Umbau auf Gas bleibt das Serienmäßige Verbrennungtriebwerk erhalten und wird Modifiziert (Einspritzanlage etc.)
      Beim Umbau auf E-Motor muß der Vorhandene Verbrennungsmotor komplett ersetzt werden.
      Die Bordelektrik,Bremsanlage etc. muss angepasst werden.
      Abgaßanlage,Tank etc. entfernt… All diese Arbeiten sind beim Umbau auf Gas nicht nötig !
      …und das sind nur die Arbeiten die mir spontan einfallen…

      • Ich gib dir recht, dass Erdgasantrieb sicher umweltfreundlicher ist als Benzin oder Diesel und günstiger und einfacher im Umrüsten. Aber auch bei Erdgas handelt es sich um fossile Energieträger, die verbrannt werden und:

        1) Erdgas verbrennt zwar viel sauberer als Diesel oder Benzin, weil es reiner ist, aber CO2, CO u. NOX produziert es ebenfalls. CO2 ist entsteht sogar fast gleich viel wie bei Diesel.

        2) Erdgas muss wie Erdöl erst aufwendig gewonnen und transportiert werden

        3) ein Erdgasauto bietet im Fahren keinen Vorteil gegenüber anderen Verbrenner-Fahrzeugen (punkto Beschleunigung, kontinuierliche Beschleunigung ohne Schalten, Heizen und Kühlen im Stand ohne Motor laufen, etc…)

        4) die Leute, die ein bestehendes Auto auf E-Antrieb umrüsten wollen, machen dies ja aus großer Überzeugung, auch um ein Statement zu setzen und mehr Spaß beim Fahren zu haben.

        Von dem her, ist Erdgas keine Alternative für einen Umrüster.

  3. Umrüstungen zu Elektroautos können sinnvolle Alternativen sein.
    Sie bieten die Möglichkeit ein individuelles eigenes Projekt selbst zu realisieren und dabei die Technik nicht nur kennen zu lernen, sondern selbst richtig zu verstehen. Es entstehen dabei einmalige Fahrzeuge die es nirgendwo zu kaufen gibt und mit denen man richtig auffallen kann. Ohne Krach und Gestank zu machen.
    http://www.elektroauto-umrüsten.de

  4. bin grad über crank-e gestolpert. Die haben ein Vespa-Umrüstkit. Ich versuche grad etwas über die Kosten in Erfahrung zu bringen.

    • Bei crank-e war ich auch schon mal auf der Website. Klingt in der Tat interessant. Ich weiß nicht, ob ich wirklich das Geschalte bräuchte, da das für mich einer der viele Vorteile des Elektroantriebs ist, dass man eben nicht schalten muss. Andererseits klingts auch wieder interessant, dass eigentlich so viele Teile des Benzinmotors weiter verwendet werden können.

      Falls du mit crank-e was machen solltest oder mehr Infos dazu hast, wäre schön, wenn du uns dies in den Kommentaren hinterlassen könntest.

      Ich habe ja selbst eine alte Vespa, wo es mich reizen würde, den alten Motor zu “entkernen”. ;-)

  5. Wer privat oder in Eigenregie einen Umbau wagen möchte, der sollte …
    1. im Internet ausgiebig recherchieren, Erfahrungsberichte u. Anleitungen lesen

    Der Link funktioniert nicht mehr, resp. die Homepage wurde gelöscht

  6. franz jaitler says:

    hallo leute ich beginne mich mit dem gedanken ein auto auf elektro antrieb umrüsten zu lassen.es handelt sich um einen lotus 50 bj 1969. viele werden mich für verrückt halten aber die wartezeiten für ersatzteile bringen mich zur verzweiflung.ich kann mir vorstellen das dieses auto für einen umbau gut geeignet ist.weil als sportwagen sehr sehr leicht ist und einen niedrigen cw wert hat.ich werde mich damit nun um eine umbaufirma bemühen und schauen ob es finanzierbar ist.danke für eure denkanstösse.ein leben lang an verbrennern zu schrauben ist genug !

    • Also wir Elektroautoren halten dich sicher nicht für verrückt. ;-)
      Leider ist das Umrüsten halt auch eine sehr kostspielige Sache, wo vor allem die Batterie einer der größten Bestandteile ist. Wenn man selbst Profi ist und sich mit Elektrotechnik super auskennt und auch noch schweißen kann, schaut die Lage natürlich viel besser aus, als wenn man spezielle Umrüster-Firmen beauftragen muss.

      Ich selbst würde ja gerne eine ca. 40 Jahre alte Vespa umrüsten. Leider bin ich kein Techniker und so würde mir der Umbau zurzeit zu teuer sein. Wenn also wer Lust auf ein Motor-Roller-Projekt hätte und das zu Community-Konditionen kann er sich gerne an mich wenden. {:-)

      Bzgl. Sportwagen – ich glaube, dass sich die sehr gut für Umbauten eignen –
      aus deinen genannten Gründen. Schließlich hat Kreisel ja auch einen alten Sportwagen elektrifziert und ihm das Verbrennerherz heraus gerissen. ;-)

      http://www.elektroautor.com/kreisel-elektrifizierter-supersportwagen-kreisel-evex-910e/

      Wir würden uns über Erfahrungsberichte deines Umbaus sehr freuen.
      Viel Glück dabei!!!