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Vom Aussterben bedroht: Droht Zapfsäulen bald das Schicksal der Dinosaurier?

Wallbox, Heimladestation, beschleunigtes Laden, Supercharger und High-Speed-Ladestationen. Das Laden von Elektroautos ist momentan (noch) umständlicher und langwieriger als einen Tank zu füllen. Aber die Entwicklung ist rasant, es gibt sehr viele Hersteller von Ladelösungen und die Infrastruktur nimmt immer mehr Fahrt auf.

So exotisch der Antrieb mit „Explosionsmotoren“ vielleicht in 20 Jahren erscheinen wird, so befremdend wird einem erst eine alte Benzin-Zapfsäule vorkommen. Das Aufladen des Antriebsakkus ist natürlich das Wichtigste bei der Verbreitung der Elektromobilität. Hierbei wird man immer wieder mit dem Henne-Ei-Problem konfrontiert. Die Automobilhersteller behaupten, dass sich die E-Mobilität zu wenig durchsetzt, da es zu wenig Ladestationen gibt. Die Infrastruktur-Betreiber und großen Stromkonzerne spielen den Ball zurück, da es angeblich zu wenig verfügbare Elektroautos am Markt gibt. Tatsächlich ist es eine Mischung aus beidem.

Unser Alltag ist komplett elektrisch – unsere Mobilität jedoch nicht

Die Anzahl der Ladestationen steigt täglich und in Österreich gibt es zurzeit 2.067 öffentliche Ladestationen, laut goingelectric.de. Weiters hat die Elektromobilität einen enormen Vorteil gegenüber anderen alternativen Antriebsformen wie Wasserstoff, Erdgas oder Autogas. Strom gibt es überall – eigentlich bei jedem Haushalt. Fast alle Elektroautos kann man standardmäßig oder über optional erhältliche Adapter an einer haushaltsüblichen Steckdose oder einer Starkstromsteckdose laden. Doch damit tagtäglich zu laden ist auf die Dauer nicht ratsam. Einerseits ist die Ladedauer extrem lang, andererseits sind vor allem die Sicherheitsstandards bei speziellen Ladegeräten für Elektroautos höher. Aus diesem Grund haben die unterschiedlichsten Hersteller spezielle Ladelösungen entwickelt. Die Bandbreite reicht von Kabeln mit einer Steuereinheit bis zu großen Schnell-Ladestationen im öffentlichen Raum.

Die kleine Lösung – das mobile Ladekabel

Bei den meisten Elektroautos ist beim Kauf ein mobiles Ladekabel serienmäßig dabei, welches man an einer technisch gut abgesicherten Schukosteckdose bedenkenlos anschließen kann. Im Prinzip handelt es sich um ein dickes Stromkabel mit einem zirka 30 Zentimeter großen Netzteil, welches normalerweise auch wetterfest ist.

Die von den Herstellern bezeichneten “Notladekabel” laden sehr langsam und sollten nicht als Dauerlösung im Einsatz sein.

Tesla geht bei seinem Ladekabel sogar einen Schritt weiter. Sie liefern sowohl für die Schuko als auch für Starkstrom einen Adapter mit und man kann die Ladegeschwindigkeit mittels Software im Auto selbst bestimmen. Mit den haushaltsüblichen Ladekabeln muss man jedoch mit Ladezeiten von zehn bis 16 Stunden rechnen, was die Verbreitung der Elektroautos nicht unbedingt fördert. Ein weiterer Nachteil: Die Ladekabel arbeiten in der Regel nur mit dem dazugehörigen Auto harmonisch zusammen.

Sehr bewährt: Der mobile Alleskönner NRGkick, made in Austria.

Die mobilen Alleskönner – Ladekabel mit Steuereinheit

Es gibt auch mobile Ladekabel, die markenunabhängig für jedes Elektroauto einsetzbar sind und mit Schukosteckdosen, Camping-Steckdosen und Starkstromsteckdosen bestens umgehen können. Eine sehr gelungene Lösung ist das NRGKick-Kabel des gleichnamigen österreichischen Herstellers. Das Ladekabel hat ein Netzgerät mit einer Steuereinheit, mit der man sowohl am Gerät als auch über Bluetooth und Smartphone die Stromstärke beinahe stufenlos einstellen kann. Mit so einem Kabel kann ein Elektroauto rasch geladen werden. Der Renault ZOE in einer Stunde, das Tesla Model S in vier bis fünf Stunden.

Wallbox, Heim- oder Wandladestation

Schneller als mit den einfachen Lade- und Notladekabeln geht es mit einer so genannten „Wallbox“. Das sind Boxen in etwa der Größe eines Schuhkartons, ausgeführt in Kunststoff oder Edelstahl, für den Innenbereich oder wetterfest für die Montage im Freien. Diese kleinen „Ladestationen“ gibt es in den verschiedensten Stromstärken, flexibel steuerbar, mit Ladebuchse oder fix montiertem Ladekabel. Vorteil einer solchen Station: Sie beinhalten einen zusätzlichen FI-Schutzschalter mit Gleichstromfehler-Messung, Überhitzungsschutz, Kommunikationseinheit für das Auto sowie einen Stromzähler und viele andere Features.

Diese Wallboxen gibt es in unterschiedlichen Stärken. Welche Lösung passt, hängt vom Elektroauto ab. Renault hat hier mit ZOE neue Maßstäbe gesetzt: Er kann bei einem privaten Starkstromanschluss zu Hause in nur einer Stunde geladen werden – theoretisch sogar in einer halben Stunde auf 80 Prozent. Einen so starken Stromanschluss werden Stromanbieter Privathaushalten jedoch mit großer Sicherheit verwehren.

Halböffentliche sowie öffentliche Ladestationen

KEBA Wallbox – sowohl privat als auch öffentlich einsetzbar. Foto: SMATRICS

Bei Ladestationen, die von Stromanbietern, Firmen oder Gemeinden zur Verfügung gestellt werden, spricht man von halböffentlichen beziehungsweise öffentlichen. Bei halböffentlichen Ladestationen handelt es sich oft um Firmen, Hotels oder engagierte Privatleute, die auf Anfrage die Ladestation gerne zur Verfügung stellen. Dabei sind öffentliche Ladestationen für jeden zugänglich, abhängig vom Betreiber kostenlos oder mit einer bestimmten Ladekarte. Technisch gesehen sind öffentliche Ladestationen gegenüber Heimladestationen meist robuster und größer. Vor allem zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie einen Stromzähler integriert haben und mit einem Bezahlsystem oder einer Authorisierungsmöglichkeit ausgestattet sind. Bei großen Ladeinfrastruktur-Anbietern wie beispielsweise Smatrics sind alle Ladestationen miteinander vernetzt. Dadurch können alle Stationen auf Funktionstüchtigkeit aus der Ferne überwacht und gesteuert werden und über Apps abgerufen werden, welche Ladestelle belegt und welche frei ist. So kann es nicht passieren, dass man mit leerem Akku zu einer besetzten Ladesäule fährt.

Schnell-Ladestationen – mit viel Power zu mehr Power

Foto: SMATRICS

Elektroautos langsam aufladen bereitet meistens keine Probleme, denn der Großteil der Elektroauto-Fahrer lädt zu Hause. Oder während er sich im Shoppingcenter die Zeit vertreibt. Dennoch, wenn es eine längere Strecke über mehrere hunderte Kilometer zu meistern gibt, muss ein Ladestopp schnell vonstattengehen. Für diese Fälle gibt es High-Speed-Ladestationen, die meistens mit den drei wichtigsten Stecker-Standards ausgestattet sind. Denn wie so oft konnte sich die Industrie nicht für einen einheitlichen Standard entscheiden. Ein Nissan Leaf oder ein Renault ZOE können bei solchen Stationen in zirka 30 Minuten auf 80 Prozent geladen werden. Schnell einen Kaffee trinken und weiter geht es.

Bei 50 kW Ladeleistung ist noch lange nicht Schluss

Die nächste Generation an Schnellladern ist bereits im Anrollen. Anfang Jänner 2017 hat die Firma Kreisel Electric aus Freistadt ihre Schnellladestation „Kreisel Power Charger“ vorgestellt, die mit sehr hoher Ladeleistung punktet. Mit diesem innovativen Produkt soll ein Elektroauto mit einer Reichweite von 600 Kilometern in zwanzig Minuten aufgeladen werden können. Die Schnellladesäule hat als besonderes Novum erstmalig einen großen Stromspeicher integriert, um das Stromnetz zu entlasten und kurzfristig besonders hohe Ladeströme abgeben zu können. Mitte 2017 sollen österreichweit 30 davon bei VW-Betrieben der Porsche Holding Salzburg aufgestellt werden.

Der Kreisel Power-Charger mit Wilfried Weitgasser (GF Porsche Austria), Markus Kreisel und Alain Favey (Porsche Holding), wird von der Porsche Holding in Österreich vertrieben. Foto: Elektroautor.com

Supercharger von Tesla

Eine Sonderrolle bei der Schaffung von Lade-Infrastruktur spielt das fast schon weltweite Ladenetzwerk von Tesla. Es handelt sich dabei um den einzigen Automobilhersteller, der ein eigenes Schnell-Ladenetz aufgebaut hat und ständig erweitert. Für bestehende Kunden ist das Laden bei den Superchargern seit Jahren umsonst, für neue Kunden wird nach einem Verbrauch von 400 Kilowattstunden eine Gebühr in Höhe von € 0,23/kWh eingehoben. Die Geschwindigkeit der Gleichstrom-Ladung bei Tesla ist seit Jahren um einiges höher als bei allen derzeitigen Betreibern. Tendenz steigend.

An solchen “Stromzapfsäulen” der Supercharger kann mit bis zu max. 120 kW DC geladen werden. Foto: Tesla Motors

Ladenetze in Österreich

Die wichtigsten öffentlichen Ladenetz-Betreiber in Österreich sind die Energie AG, Vlotte, Electrodrive Salzburg, Linz AG, TANKE Wien Energie und Kelag. Der mittlerweile größte Anbieter ist die der private Anbieter SMATRICS mit 400 Ladestationen, davon fast 200 Schnell-Lader. Seit heuer kooperiert SMATRICS mit dem E-Mobility-Dienstleister Greenstorm, der sich auf die Agenda geschrieben hat möglichst viele Hotels mit E-Tankstellen auszurüsten.

Quelle: Zimmerstunde.at – Autor: Volker Adamietz

2 Kommentare

  1. jojo……
    ich will nicht immer lästig sein, – –
    was nützt einem renault kangoo ze besitzer
    eine schnellladestation…………………………??
    und nach 120 km wieder 6stunden warten.
    WENN überhaupt irgendwo eine ladestation ist.
    jo mei !!!

  2. Hallo Andreas,
    ich weiß, dass es mit dem alten Kangoo Z.E. schwer ist. Vielleicht solltest du deinen Kangoo Z.E. der ersten Generation verkaufen und mal über die Anschaffung des neuen E-Transporter von Renault nachdenken?
    http://www.elektroautor.com/upgrade-fuer-renault-kangoo-z-e-270-km-reichweite-und-kaufakku-optional/

    Was meinst du? Oder du erkundigst dich mal bei Umrüstern, ob es vielleicht eine Möglichkeit gibt in den Kangoo ein schnelleres Ladegerät einzubauen?

    Warum Renault den neuen Kangoo jedoch wieder nur mit einer max. Ladeleistung von 3,7 kW (bei größerer Batterie) ausgestattet hat, ist mir jedoch schleierhaft.

    Den mit Chameleon-Charger mit 22 kW oder sogar 43 kW und der würde auf einen Schlag gleich 3 x so oft gekauft werden!!!!!!